Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft vom menschlichen Handeln

Ein neuer Studiengang an der privaten Wirtschaftshochschule BiTS in Berlin ermöglicht eine volkswirtschaftliche Ausbildung mit Blick über den Tellerrand

Von Hendrik Hagedorn und Stefan Kooths

07.04.2016 – DER HAUPTSTADTBRIEF 135

Prof. Dr. Stefan Kooths leitet das Prognosezentrum im Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), ist Dean of Economics an der Business and Information Technology School (BiTS) am Campus Berlin und Kuratoriumsmitglied des Prometheus-Instituts. Dr. Hendrik Hagedorn ist Dozent für Volkswirtschaftslehre an der BiTS Berlin. Für den HAUPTSTADTBRIEF stellen sie den neuen Masterstudiengang der BiTS „Entrepreneurial Economics“ vor.

Die Volkswirtschaftslehre (VWL) an deutschen Universitäten steht nicht erst seit gestern in der Kritik. Studenten kritisieren die Lehre als einseitig, Professoren treten im Streit an die Öffentlichkeit, nur ganz wenige Koryphäen haben die Finanz- und Eurokrise kommen sehen, und der Außenstehende fragt sich, was man mit einem VWL-Studium eigentlich anfangen kann. Nicht ganz zu Unrecht wird oft vermutet, dass ein solches Studium weder dem Analysten noch dem Unternehmer wirklich hilft. Mit dem neuen Masterstudiengang „Entrepreneurial Economics“, der sich deutlich vom derzeit an den Unis Üblichen abhebt, will die Business and Information Technology School (BiTS) in Berlin zeigen, dass es auch anders geht.

Dieser Studiengang folgt in seiner Konzeption den Prinzipien der Österreichischen Schule, innerhalb derer ökonomische Sachverhalte logisch aus den Motiven und Möglichkeiten menschlichen Handelns erklärt werden. Die Hauptvertreter dieser Denkrichtung sind allesamt geistige Größen – Ludwig von Mises und Friedrich von Hayek sind nur die zwei prominentesten unter ihnen. Datenanalyse und höhere Mathematik bleiben nicht außen vor, aber sie sollen nicht länger das ökonomische Denken dominieren.

Neuer Campus, neuer Studiengang: Die private Wirtschaftshochschule BiTS, die erstmals in Europa einen den Prinzipien der Österreichischen Schule folgenden Studiengang „Entrepreneurial Economics“ anbietet, wird mit dem Wintersemester 2016 einen neuen Campus unweit des Potsdamer Platzes beziehen. Im Bild eine Anmutung des Außenbereichs am zukünftigen Domizil.

Die österreichische Sichtweise ist dabei unser Bezugssystem, kein Mantra. Deshalb kommen alle Themen aus verschiedenen Blickwinkeln unter die akademische Lupe. So tritt etwa Hayek wieder gegen Keynes, Friedman und viele andere an. Mathematische, empirische und qualitative Ansätze treten so in einen Wettstreit, wodurch das ganzheitliche Verständnis gefördert wird. Das geht nicht ohne eine ausführliche Behandlung der Geschichte des ökonomischen Denkens, die derzeit nahezu überall sträflich vernachlässigt wird. Um von den Schultern der Vorgänger aus mehr zu sehen als diese, muss man erst einmal auf deren Schultern hinaufklettern. Nur so entsteht wieder die Faszination, die von einer lebendigen ökonomischen Wissenschaft ausgeht. Und mit einem tiefen Einblick in die Ideenwelt der VWL werden die Studenten unabhängig im eigenen Urteil. Denn nur wer verschiedene Traditionen kennt, kann sie auch einordnen und wägen.

Der Nutzen eines solchen ökonomischen Tiefenverständnisses ist immens. Die politische Debatte in Deutschland und anderswo krankt nicht zuletzt am krassen Unwissen bezüglich selbst elementarer Begriffe wie Kapitalismus, Wachstum oder Geld. Damit sich das ändert, braucht es wieder ein konzeptionelles Verständnis, und es braucht analytisches Denken. Mit einem solchen Ansatz kehrt die VWL als Wissenschaft vom menschlichen Handeln zu ihren Wurzeln zurück: als Mutterwissenschaft vieler Geistes- und Sozialwissenschaften. Wer Politik oder Geschichte verstehen will, muss die Wirtschaft und die sie auszeichnenden sozialen Koordinationsmechanismen  verstehen. Eine überspezialisierte Ökonomik kann das nicht leisten.

Ein solches ökonomisches Systemverständnis ist für echte Unternehmer unverzichtbar. Wer vorausschauende Entscheidungen treffen will, muss wissen, in welchem Umfeld er agiert. Die BiTS – im Jahr 2000 als „die Unternehmerhochschule“ gegründet – ist dem unternehmerischen Leitbild seit jeher verpflichtet. Genauso wie die Österreichische Schule, bei der der handelnde Mensch als universeller Unternehmer im Zentrum der Analyse steht. Entrepreneurial Economics umfasst daher auch modernes Management Know-how. Aus dieser einmaligen Kombination werden dann umfänglich gebildete Unternehmertypen hervorgehen.

Unsere Studenten sollen später Fragen stellen, die andere nicht stellen, unkonventionelle Ideen mutig durchdenken und informiert entscheiden. Diese Kompetenz ist für vielfältige Berufsfelder das ideale Rüstzeug. Ob in der Gründung oder Fortführung eines Unternehmens, im Change Management, im Finanzsektor oder in der Beratung – überall braucht es Köpfe, die über den Tellerrand hinausschauen und zu den tiefen Problemursachen vordringen. Diese Menschen nehmen sich zuvor die Zeit, in ihr Humankapital zu investieren. An der BiTS in Berlin möchten wir sie hierbei begleiten.

Die BiTS Berlin, deren neuen Master-Studiengang „Entrepreneurial Economics“ unsere Autoren Hendrik Hagedorn und Stefan Kooths vorstellen, veranstaltet am 16. April 2016 ab 11 Uhr einen Infotag. Mehr dazu und Anmeldung auf www.bits-hochschule.de/de/berlin/

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