Der Staat ist größter Marktteilnehmer

Das freie Unternehmertum ist in der EU ein Hindernisrennen. Ein Seminar hilft, Hürden zu erkennen und zu nehmen

Von Dr. Rainer Bieling

07.04.2016 – DER HAUPTSTADTBRIEF 135

Hilfe! Jetzt sollen auch Startups vom Staat gefördert werden. Die jüngste Bastion freien Unternehmertums, die Twen-Kultur des Wir-gründen-eine-Internetfirma, ist der Regierung ein Dorn im Auge. Ohne staatliche Hilfe wird das nämlich nichts. Die „Digitale Strategie 2025“ ist schon da, zur Cebit 2016 beschlossen und verkündet, ein Todeskuss mit Ansage. Den hat sich zuletzt der deutsche Film eingeholt, seither gibt es ihn nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr privatwirtschaftlich in einer Weise, die auf irgendeinem Festival dieser Welt preiswürdig wäre. Statt dessen fernsehfinanzierte Ü60-Ware für die Öffentlich-Rechtlichen.

Für Unternehmer und alle, die es werden wollen, sind dies keine guten Zeiten. Sie beginnen, wenn der unternehmenslustige Twen an die Uni kommt. Ein bisschen Volks- und Betriebswirtschaft könnten da nicht schaden, schade nur, dass der Firmengründer in spe nicht lernt, wie er oder sie beherzigt Unternehmer wird. Sondern Lektion eins: Märkte sind wie kleine Kinder, die Vater Staat an die Hand nehmen muss. Lektion zwei: Lies ordentlich Keynes und Co., dann erkennst du Markversagen und lernst, wie Vater Staat es richtet. Lektion drei: Sei nicht dumm, werde Manager. Oder besser gleich Beamter. Minimiere dein Risiko.

Das Quartett der Mises-Referenten: die Professoren Hans-Hermann Hoppe, Philipp Bagus, Thorsten Polleit und Jörg Guido Hülsmann (von links) beim Beantworten der Zuhörerfragen beim Ludwig von Mises Seminar 2016.

Tatsächlich: Unternehmer können scheitern. Einige werden märchenreich, viele haben ein gutes Ein- und Auskommen, aber etliche schaffen es nicht. Das hat nicht nur mit der Güte der Geschäftsidee zu tun, der Qualität des Gelernten, der Brillanz der Persönlichkeit. Es hat in der EU viel damit zu tun, dass nur die Hälfte des Himmels offensteht. Auch in einem Kernland wie Deutschland ist der Staat der größte Marktteilnehmer. Über 50 Prozent des Marktgeschehens bestimmt er. Und in den verbleibenden knapp 50 Prozent hat er auch das Sagen. Ihm gehört nämlich das Geld, das für alle gilt. Und damit macht er, was er will. Viele Unternehmungen sind allein deshalb unmöglich.

Ganz Gallien also schon besetzt? Nein, da war doch was und kommt jetzt wieder, ein blitzgescheiter Ökonom aus Österreich, der im Wien der ersten Nachkriegszeit erkannte, dass Nationalisten und Sozialisten nur das eine wollten: den Staat. Der genau das nicht wollte und der Herrschaft des Kollektivs über den Einzelnen die Herrschaft des Einzelnen über sein Leben vorzog, das vor dem jeweiligen Kollektiv an der Macht zu schützen sei. Ludwig von Mises hieß er und nannte seine Lehre eine Wissenschaft vom menschlichen Handeln. Und siehe da: Obwohl erst vom nationalsozialistischen Staat ins Exil und in der zweiten Nachkriegszeit vom keynesianischen Staat ins Abseits gedrängt, ist Mises wieder da.

Das ist vor allem einer Handvoll Akademiker zu verdanken, und dass es wirklich nur eine Handvoll ist, zeigt das Foto, die der Überzeugung sind, dass Risiken zuallererst vom größten Marktakteur, dem Staat, ausgehen, weil Handlung und Haftung bei ihm entkoppelt sind. Diese Akademiker, allesamt Wirtschaftsprofessoren, haben das Ludwig von Mises Institut Deutschland gegründet und verbreiten nun die Lehre seines Namensgebers. Das jährliche Mises-Seminar, bei dem die Referenten in die Grundlagen der Österreichischen Schule einführen, verdeutlicht mit jeder Vorlesung, was dieses Wissen aktuell und konkret nützt. So wäre ein Startup-Twen anschließend gewappnet, wenn ihm staatliche Hilfe angedroht wird. Ein Anfang.

Vom 26. bis 27. Februar 2016 fand das zweite Ludwig von Mises Seminar in Kronberg bei Frankfurt statt. 120 Teilnehmer, 50 von ihnen Studenten, hörten 12 Vorlesungen über Mises’ Lehre mit Gegenwartsbezug. Einen Bericht gibt es auf der Website des Ludwig von Mises Instituts: www.misesde.org/?p=12233

Und eine gute Nachricht für Studenten gibt es auch: Ab Winter 2016 können sie in Berlin erstmals Mises in einem Masterstudiengang belegen: siehe den Beitrag von Kooths/Hagedorn in diesem HAUPTSTADTBRIEF.

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