Die Bürger wollen bezahlbare Energie und klare Worte

Die aktuelle Studie zur Energiewende belegt erneut die tiefer werdende Kluft zwischen Politik und Bürgern

Von Claudia Mast

03.07.2014 – DER HAUPTSTADTBRIEF 123

Angesichts steigender Strompreise für Verbraucher und fallender Preise für Unternehmen ist die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger für eine Wende in der Energiepolitik nach wie vor hoch. Ihr Interesse an diesem Themenfeld steigt rasant, weil sie spüren, dass sie es sind, die die Rechnung zahlen – so das Ergebnis unserer aktuellen repräsentativen Umfrage. Jeder Zehnte gab an, das Gerangel der Politiker und Unternehmen mit Sorge zu verfolgen. Das sind doppelt so viele Menschen wie vor einem Jahr.

Darüber hinaus machen sich die Befragten Sorgen um außenpolitische Risiken wie die Ukraine-Krise und die Abhängigkeit beim Gas. Die Energiewende hat die Eurokrise längst überholt. Wenn die Politik Energiefragen allerdings weiterhin so vielstimmig, vage und schwer verständlich wie bisher kommuniziert, wächst absehbar auch auf diesem Feld die Kluft zwischen den Bürgern und den Parteien. Im Gegensatz zur Eurokrise können sie ihren Unmut zum Thema Energiewende direkt und unmissverständlich zum Ausdruck bringen – zum Beispiel durch Proteste gegen Stromtrassen.

Für die meisten Bürger ist die Energiewende keineswegs gelöst. 91 Prozent meinen, dass uns diese Herausforderung noch lange beschäftigen wird. Nicht einmal jeder zehnte Befragte ist der Meinung, dass die Verantwortlichen das Problem im Griff haben. Gleichzeitig aber sehen die Menschen die drohenden Auswirkungen für ihr persönliches Leben, für die Unternehmen und Arbeitsplätze. Die Energiewende stellt in ihren Augen ein soziales und wirtschaftliches Risiko dar.

Die meisten der Befragten trauen der Politik inzwischen nicht mehr zu, die Energiewende zu meistern. Nur noch ein Fünftel ist davon überzeugt, dass die Parteien sich in dieser Frage für die Interessen der Bürger einsetzen. Ein höchst beunruhigender Befund – unsere Ergebnisse dokumentieren, dass sich in einem weiteren Zukunftsfeld neben der Eurokrise die Kluft zwischen den politischen Eliten und der Bevölkerung vertieft. Nur noch eine Minderheit der Bürger geht davon aus, dass ihnen die politischen Akteure die Wahrheit sagen.

Alarmierend ist, dass offensichtlich die Politiker kaum mehr zu den Bürgern durchdringen – ihre Glaubwürdigkeit ist auch beim Zukunftsthema Energiewende im Keller. Zukunftsbestimmendes wie die Energiewende lässt sich nun einmal nicht mit PR-Rhetorik herbeireden. Für die Bürgerinnen und Bürger zählen nur bezahlbare Preise, glaubwürdige Erklärungen und konkrete Entscheidungen.

Professorin Dr. Claudia Mast leitet das Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim in Stuttgart. Für den HAUPTSTADTBRIEF erläutert sie die Ergebnisse der von ihr geleiteten Gemeinschaftsstudie der Universität Hohenheim und der Direktbank ING DiBa AG über die Kommunikation der Energiewende.