Freispruch für CO2!

Dass der Mensch das Klima schützen könne, ist ein Irrtum – ebenso wie das Festhalten am Feindbild vom Klimakiller CO2

Von Dieter Ameling

17.12.2014 – DER HAUPTSTADTBRIEF 126

Klimawandel gibt es seit 500 Millionen Jahren – und es wird ihn geben, solange sich die Erde dreht. Die Erde besteht ja aus einem vielschichtigen System. Es erstreckt sich vom Erdkern bis zum Weltall über Geosphäre, Atmosphäre, Hydrosphäre, Kryosphäre, Biosphäre – und nicht zuletzt den über den Menschen geschaffenen Lebensraum, die Anthroposphäre. All diese Bereiche beeinflussen das, was wir Klimawandel nennen.

Und dabei spielen vom Menschen hervorgerufene Einflussgrößen wie die Emission von Kohlenstoffdioxid (CO2) tatsächlich eine untergeordnete Rolle. Sieht man sich die Temperaturschwankungen der letzten 1000 Jahre an, so wie sie sich heute rekonstruieren lassen, dann fällt eine markante Erhöhung im Zeitraum der rund 150 Jahre von zirka 1100 bis 1250 auf. Das ist die Zeit als Grönland wirklich grün und eisfrei war. Keine 200 Jahre später sah das Bild ganz anders aus: Das sogenannte Spörerminimum (benannt nach dem Astronomen Gustav Spörer) zwischen 1420 und 1570 sowie später nochmals das Maunderminimum (nach Edward Walter Maunder) zwischen 1645 und 1715 sorgten für kleine Eiszeiten. Die Winter waren lang und die Vegetationsperioden erheblich verkürzt. Auf diese Klimageschehnisse hatte der Mensch keinen Einfluss.

Nach dem Blick zurück der Blick nach vorn: Weiterhin prophezeien Klimaforscher-Modelle einen stetig fortschreitenden Anstieg des „Global Warming“ – ungeachtet der Tatsache, dass sich die Temperatur seit 1998 nachweislich nicht mehr erhöht hat. Der Klimaforscher Prof. Hans von Storch etwa, Institutsleiter am Helmholtz-Zentrum Geesthacht, hat bereits 2013 im „Spiegel“ eindrücklich klargestellt, dass eine Erderwärmung seit 15 Jahren nicht mehr stattfindet (siehe HAUPTSTADTBRIEF 117, Seite 65) – und das, obwohl der CO2-Gehalt der Atmosphäre weiter steigt.

Dennoch liefern die einschlägigen Computer-Modelle weiter ihre Temperaturanstiegs-Prognosen. Ist es nicht eher so, dass das chaotische, nicht-lineare Wettersystem sich auch mit den leistungsfähigsten Computern nicht voll erfassen lässt? Die von einigen Klimaforschern und Klimaschützern prognostizierten Katastrophenszenarien können nicht als wissenschaftlich belegt gelten – trotzdem gilt ihnen CO2 weiterhin als Hauptverursacher. Der Klimawandel ist indessen untrennbar mit der Dynamik der Entwicklung unseres Planeten Erde verbunden. Faktoren von hohem Einfluss auf das Klimageschehen wie die stark schwankende Sonnenaktivität oder das zyklische Pendeln der Erdachse, beide nicht vom Menschen gemacht, spielen in der öffentlichen Diskussion meist keine Rolle.

Das ist unbegreiflich; denn Temperaturentwicklung und Sonnenaktivität verlaufen weitgehend parallel, wie die Grafik „Sonnenaktivität und Temperaturanstieg“ zeigt. Zyklische Schwankungen in der Anzahl und Größe von Sonnenflecken – die kühler sind und weniger Licht abstrahlen als die restliche Sonne – verändern die Strahlkraft der Sonne und damit die Temperatur auf der Erde. Daneben gibt es eine ganze Reihe weiterer Einflussgrößen auf den Klimawandel, die zwar erkannt, aber noch nicht ausreichend untersucht sind: das Magnetfeld und das Schwerefeld der Erde, der Gashaushalt der Erdkruste, Wolkenbildung und Wasserdampf, die kosmische Strahlung, Vulkanausbrüche, Unterseevulkane, Aerosole (die ähnlich wie Treibhausgase entstehen, aber entgegengesetzt wirken, da sie auf die bodennahen Luftschichten abkühlend wirken) oder CO2-Emissionen biogenen, organischen Ursprungs. All dies wird in der öffentlichen Diskussion kaum beachtet, man ist hartnäckig entschlossen – und sei es auch grundlos – das CO2 als Hauptverursacher zu brandmarken.

Ist das noch wissenschaftlich seriös? Wissenschaft ist die Suche nach überprüfbarer Erkenntnis – „sie setzt Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen sowie Unparteilichkeit voraus. Wissenschaftliche Argumente und Urteile dürfen nur nach Würdigung aller wesentlichen Gegenargumente abgegeben werden. Die Wissenschaft ist weisungsfrei und nur sich selbst verpflichtet.“ Das sind Zitate aus der Resolution des Deutschen Hochschulverbandes vom März 2012. Zur Unparteilichkeit von Wissenschaft gehört auch die unvoreingenommene Auseinandersetzung mit anderen Meinungen. Was wir indessen vielfach beim Thema Klimawandel erleben, mutet wie ein geschlossenes Weltbild an – durch Fakten nicht zu erschüttern.

Besondere Verdienste auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Behandlung des Klimawandels hatte sich früh die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover erworben. Sie legte den Band „Klimafakten – Der Rückblick – ein Schlüssel für die Zukunft“, herausgegeben von Ulrich Berner und Hansjörg Streif, im Jahr 2004 bereits in 4. vollständig überarbeiteter Auflage vor: ein Muster für Seriosität in der wissenschaftlichen Darstellung. Dann erfolgte ein Führungswechsel beim bundeseigenen Institut, und die neue BGR-Leitung hat die Weiterführung dieser Publikation eingestellt. Seit zehn Jahren gibt es keine Neuauflage der „Klimafakten“.

Eine Grunderkenntnis sollte endlich anerkannt werden: dass der Mensch das Klima nicht schützen kann. Was nicht heißt, dass wir nicht mit den fossilen Energien sparsam und effizient umgehen müssen. Das ist doch selbstverständlich. Aber die zeitgeistige Überbewertung der volks- wie betriebswirtschaftlich unbefriedigenden Erneuerbaren Energien ist ein Irrweg – und erst recht die Stilllegung von Kohlekraftwerken und auch von Braunkohlekraftwerken. Die heimische Braunkohle ist unsere preiswerteste Energie zur Stromerzeugung, und moderne Braunkohlekraftwerke überzeugen durch hohe Wirkungsgrade. Der geplante Schritt von Vattenfall, die ostdeutsche Braunkohlenutzung zu verkaufen, ist eine zutiefst falsche Entscheidung.

An CO2 geht, wie wir gesehen haben, das Klima nicht kaputt. Maßnahmen zur CO2-Minderung jedoch – unter der Fahne des Klimaschutzes – drohen die Wettbewerbsbedingungen der deutschen Wirtschaft weiter dadurch zu erschweren, dass mit ihnen automatisch die Energiekosten steigen. Die Strompreise für Unternehmen sind heute schon in politisch motivierte, wirtschaftlich schädliche Höhen geklettert (siehe Grafik „Entwicklung der Industriestrompreise seit 2001“), die privaten Verbraucher müssen sogar noch tiefer in die Tasche greifen (siehe HAUPTSTADTBRIEF 125, Seite 62). Der Wegzug von Industrien,  „die schleichende De­industrialisierung“, hat bereits begonnen, Energiearmut breitet sich aus. Die Unternehmen werden ihre Kostensteigerungen an den Endverbraucher weitergeben – und damit eine zusätzliche Belastung für die privaten Haushalte schaffen.

Vor diesem Hintergrund ist auch nicht wirklich wegweisend, wenn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, wie jüngst von ihm bekräftigt, mit Nachdruck die Einsparung von zusätzlichen 22 Millionen Tonnen CO2 bei Kraftwerken und von insgesamt 62 bis 100 Millionen Tonnen bis 2020 durchzusetzen entschlossen ist. Nein, was wir stattdessen brauchen in Deutschland, zum Wohle aller, ist eine zügige Wiederherstellung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei der Stromerzeugung. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz gehört in den Papierkorb! Also: Freispruch für CO2!

Prof. Dr.-Ing. Dieter Ameling ist Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl a. D. und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh a. D. Für den HAUPTSTADTBRIEF führt er aus, warum es uns weder umwelt- noch wirtschaftspolitisch weiterbringt, Kohle und CO2 als die Hauptverantwortlichen für den Klimawandel zu brandmarken.

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