Ausgabe 115

Autoren der Ausgabe 115

     


Philipp
Bagus


Wolfgang
Bosbach


Jörg
Eigendorf

     


Danuta
Hübner


Martin
Lindner


Joachim
Nagel

     


Thorsten
Polleit


Martin
Runge


Thilo
Sarrazin

     


Christian
von Stetten


Peter
Voß


Klaus-Peter
Willsch

     

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Berlin, 8. Mai 2013. Die Parolen der Euroretter wecken die Erinnerung an ein vergangenes Experiment wider die wirtschaftlich Vernunft: Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Und noch so ein Spruch kommt einem da in den Sinn: Den Euro in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. Der Ochs wäre heute, wer auf Einhaltung des Vereinbarten pochte, der Esel, wer Geldwertstabilität anmahnte. Solche Stimmen gibt es, aber sie werden weggemobbt, wenn sie im Deutschen Bundestag vorlaut werden.

Im HAUPTSTADTBRIEF kommen einige dieser Stimmen zu Wort und siehe da: Es sind durchweg Europafreunde, die da sprechen. Sie unterscheiden sich von ihren Mitfreunden durch ihr Erinnerungsvermögen an das vergangene Experiment. Es endete 1989 im Staatsbankrott der Deutschen Demokratischen Republik. Dabei war die damalige Umverteilungspolitik neudeutsch gesprochen Peanuts: Um Preise von 5 Pfennig für die Schrippe, 20 Pfennig für den Fahrschein, 80 Mark für die Wohnung künstlich klein zu halten, war eine Umverteilung von oben nach unten nötig, die in gar keinem Verhältnis zur Umverteilung von Nord nach Süd steht, wie sie im Zuge der Eurorettung an Fahrt gewinnt.

Zuletzt beim Zwischenstopp auf Zypern sind neun Milliarden Euro von europäischen Steuerzahlern an die beiden Inselbanken verteilt worden – damit hätte sich die DDR bis heute über Wasser gehalten. Unser Autor Prof. Philipp Bagus stellt sich aus aktuellem Anlass die Frage: Banken retten ohne Steuergeld, geht das? Ja, es geht, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Statt der Steuerzahler sollen die Gläubiger ihr Eigentum retten, wie es in der Marktwirtschaft tagtäglich praktiziert wird.

Die Umverteilung des Volksvermögens in der Eurozone ist indes viel raffinierter als einst in der Ostzone. Die Umverteilung hat noch eine Seite, und die sieht man gar nicht. Es ist die Umverteilung durch Geldentwertung, die schleichende Enteignung der Kleinsparer, Lebensversicherten und Altersvorsorger – ein Kunststück, das nur dem gelingt, der den Leitzins künstlich klein zu halten versteht. Unser Autor Prof. Thorsten Polleit zeigt, wie der Transfer in umgekehrter Richtung, von unten nach oben, vonstatten geht.

Die Begutachtung der Schieflage der Eurozone macht sich in jedem Frühjahr die WELT-Währungskonferenz zur Aufgabe. DER HAUPTSTADTBRIEF verfolgt dieses Hauptstadtereignis zum dritten Mal in Folge und veröffentlicht einige besonders erhellende Statements von Entscheidungsträgern, deren Stimme im öffentlichen Rettungslärm so schwer zu verstehen ist.

Eine Stimme aus dem HAUPTSTADTBRIEF indes hat Brüssel aufgescheucht. Es war die des Bundestagsabgeordneten Klaus-Peter Willsch, der in der letzten Ausgabe 114 auf das Entstehen eines Schatten-ESM aufmerksam gemacht hatte. In der vorliegenden Ausgabe 115 widerspricht ihm die Europaparlamentsabgeordnete Prof. Danuta Hübner: Nein, es entstehe kein Schatten-ESM. DER HAUPTSTADTBRIEF räumt Klaus-Peter Willsch die Gelegenheit zu einer Replik ein, damit Sie sich aus dem Für und Wider Ihr Urteil bilden können.

Es ist die Marktwirtschaft, der Europa seinen Wohlstand verdankt, und es war stets noch die Politik, die ihn verspielt hat. Ganz im Zeichen der Eurorettung steht der 150. Geburtstag eines Urgesteins deutscher Politik, der SPD. Die Sozialdemokratische Partei ist nicht nur Deutschlands älteste Partei, sie war auch die verlässlichste Partei der Wohlstandsvermehrung der kleinen Leute. Unser Autor Dr. Hans Kremendahl fragt, ob das sozialdemokratische Versprechen noch gilt. Und unser Autor Prof. Peter Voß stellt sich die umgekehrte Frage: Wer oder was ist eigentlich noch konservativ?

Aufregende Berlin-Themen und anregende Kunst-Themen runden ab Seite 72 eine Ausgabe ab, von der ich hoffe, dass Sie sie anregend finden werden.

Dr. Rainer Bieling
Redaktionsdirektor

Diese Themen finden Sie in Ausgabe 115: