Ausgabe 124

Autoren der Ausgabe 124

     


Philipp
Bagus


Manfred
Gailus


Manfred
Güllner

     


Stephan
Kohler


Hans
Kremendahl


Michael
Maier

     


Andreas
Marquart


Joachim
Pfeiffer


Bert Van
Roosebeke

     


Frank
Schäffler


Roland
Tichy


Werner
Weidenfeld

     

Direkt weiter zum Inhaltsverzeichnis

Berlin, 11. September 2014. Den heutigen Tag haben wir nicht mit Vorbedacht als Erscheinungstag einer neuen Ausgabe des HAUPTSTADTBRIEFS gewählt, und doch erinnert der 13. Jahrestag von 9/11 daran, dass dem Angriff Russlands auf die europäische Friedensordnung der Angriff des politischen Islams auf die Freiheitsordnung der Bürgergesellschaften des Westens voranging. 3000 Menschen starben am 11. September 2001 einen realen Tod im Namen Allahs und ebenso einen symbolischen Tod stellvertretend für den großen Satan, der Amerika ist und alle Bürger der Freien Welt, die selbstbestimmt denken und handeln und nicht von einem allwissenden Kollektiv ferngesteuert leben wollen.

2014 laufen beide Aggressionen synchron und die Eliten des Westens wissen nicht, auf welchem Kriegsschauplatz sie sich zuerst zur Wehr setzen sollen. Denn ob nun Ukrainer oder Jesiden die Opfer sind – die Motive der Angreifer sind gleich, nur ihre Begründungen unterscheiden sich. Es ist der totalitäre Dreischritt von Anmaßung, Unterwerfung und Enteignung, den geschichtsbewusste Deutsche so gut kennen, sind doch auf deutschem Boden gleich drei seiner historischen Spielarten – Nationalismus, Sozialismus, Nationalsozialismus – bereits erprobt worden, die aktuelle Spielart, ein Migrationsimport, übt ihre ersten Schritte auf großer Bühne gerade als Scharia-Polizei in Wuppertal.

Unerfreuliche Zeiten und in der Massierung auch unerwartet, doch aus dem Nichts kommt das alles nicht. Was die Lage noch verschlimmert, ist eine weitere Herausforderung: die zunehmende Anmaßung eines „Schattenstaates“, wie ihn der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, nennt. Dieser Schattenstaat wächst im Inneren der Europäischen Union heran, seine stille Unterwerfungspolitik gilt ganzen Bevölkerungen, deren kalte Enteignung er betreibt. Die Eliten dieses Schattenstaates orientieren sich nicht am Recht oder Wohl der Eurozone, die sie sich zur Beute gemacht haben. Wer zu diesen Eliten gehört, wie sie vorgehen und was sie schon erreicht haben, beschreibt jetzt ein Insider in einem Buch, zu dem Thomas Mayer das Vorwort geschrieben hat und aus dem der HAUPTSTADTBRIEF einen Auszug veröffentlicht.

Der Autor ist der frühere Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler, Betriebswirt und von 2005 bis 2013 für die FDP Mitglied des Deutschen Bundestages. In seinem Buch „Nicht mit unserem Geld. Die Krise unseres Geldsystems und die Folgen für uns alle“ analysiert er die Etappen der Eurorettungspolitik als die Etappen einer Anmaßung gegenüber den Völkern der Eurozone, einer Unterwerfung ihrer Volksvertreter und schließlich der Enteignung der Bevölkerungen selbst. Das Mittel dieses Dreischritts ist eine Währung, über die ihre Hüter kraft Staatsmonopol verfügen und mit der sie machen, was sie wollen, seit sie ihr und sich selbst in nur vier Jahren einen rechtsfreien Raum erstritten haben.

Wohin das am Ende führt, nämlich zur „Plünderung der Welt“, beschreibt Michael Maier in seinem gleichnamigen Buch. DER HAUPTSTADTBRIEF bat ihn, seine These zu erläutern, warum das Ja von Politikern zur Finanzierung von Staatsausgaben durch Aufnahme von Schulden ein Ja zur Umverteilung des Reichtums ist, in deren Folge die breite Mittelschicht verliert und eine schmale Oberschicht gewinnt. Dass, um eine antikapitalistische Stereotype zu gebrauchen, die Reichen immer reicher werden und ein Facharbeiter kein Haus mehr finanzieren kann, liegt eben nicht an der Marktwirtschaft, wie deren Feinde behaupten – es liegt am Geldwesen. Das zeigen unsere Autoren Philipp Bagus und Andreas Marquart in ihrem gemeinsamen Beitrag „Nicht Wirtschaftswachstum ist ungerecht, es ist das Wachstum der Papiergeldmenge“.

Eine Marktwirtschaft lädt alle Teilnehmer zur Teilhabe ein und nicht nur jene, die das Privileg haben, nahe am Geldtopf zu sitzen und sich als erste daraus bedienen zu dürfen. Erst die Verstaatlichung des Geldes und im zweiten Schritt dessen Entkoppelung von realen Werten haben die Erzeugung von Geld aus dem Nichts ermöglicht und mit ihr die maßlose Bereicherung aller Profiteure dieses Systems, die das Ansehen der Marktwirtschaft nachhaltiger untergräbt als es die Agitation von Nationalisten, Sozialisten und Nationalsozialisten je vermochte.

Wie wäre es, wenn wir es wieder mit Marktwirtschaft versuchten? Die schon einmal alle am Wohlstand teilhaben ließ, so dass die Verblüfften von einem „Wirtschaftswunder“ sprachen? DER HAUPTSTADTBRIEF bat zwei Kenner zu erläutern, was Marktwirtschaft einmal war und wieder sein könnte.
Hans Kremendahl, Gründungsmitglied der Karl-Schiller-Stiftung, erinnert daran, dass es mit Karl Schiller ein Sozialdemokrat war, der an Ludwig Erhards erfolgreiche Entstaatlichung Deutschlands nach dem Fiasko des totalen Staates anknüpfte und die alte Bundesrepublik auch und gerade unter Willy Brandt im marktwirtschaftlichen Fahrwasser hielt. Hieran, so sein Plädoyer, sollte wiederum Sigmar Gabriel anknüpfen – erstmals ist ein SPD-Chef gleichzeitig Wirtschaftsminister und wird alle Türen zu den Unternehmen der Realwirtschaft weit offen finden.

Roland Tichy, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, stellt gut unterrichtete Vermutungen darüber an, was der „Vater der sozialen Marktwirtschaft“ Ludwig Erhard von der Arbeit der großen Koalition heute halten würde. Aber das sollten Sie selbst lesen. Nur eines noch: Roland Tichy hat uns ein rares Dokument aus dem Archiv seiner Stiftung zur erstmaligen Wiederveröffentlichung nach über 40 Jahren überlassen. Es ist eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1972, in der Ludwig Erhard und Karl Schiller gemeinsam werben – für die Marktwirtschaft.

Wir haben zum Topthema der Ausgabe vom 11. September 2014 die Marktwirtschaft gemacht. Sie ist die Quelle aller materiellen und ideellen Werte, Rechte und Freiheiten, derer sich die Bürger der Europäischen Union und anderer Länder der Freien Welt erfreuen. Diese Werte, Rechte und Freiheiten waren und sind das Angriffsziel totalitärer Eliten, weil sie ihrer Kollektivherrschaft über den Bürger im Wege stehen. Und das geschieht nicht nur weit weg am Hindukusch oder im Zweistromland, es geschieht wieder mitten in Europa, wo das Elend seinen Ausgang genommen hatte und für immer gebannt schien.

Diese Inspiration für eine Wiederbesinnung auf die Kraft- und Legitimationsquelle der Bürgergesellschaften des Westens, vielerlei weitere Information über Deutschlands Politik und Wirtschaft, allerlei Hintergründiges über Berliner Bauvorhaben, Sport, Kunst und Kultur, kurz mancherlei Wissen, das über den Tag hinaus trägt, finden Sie im HAUPTSTADTBRIEF 124, von dem ich hoffe, dass Sie ihn anregend finden werden.

Dr. Rainer Bieling
Redaktionsdirektor

Diese Themen finden Sie in Ausgabe 124: