„Lasst uns die Meinung der anderen feiern“

Editorial des Verlegers

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„Lasst uns die Meinung der anderen feiern“

Editorial des Verlegers

Liebe Leserinnen und Leser,

die Wellen schlagen nicht erst nach der Krawallnacht von Stuttgart hoch. Die Bilder des grausamen Tods George Floyds in den USA, nach 8 Minuten und 46 Sekunden, in denen das Knie eines Polizisten auf seinen Kopf drückte, gehen mir bis heute nicht aus dem Kopf, erfüllen mich noch immer mit Schrecken.

Die Unterschiede zwischen amerikanischer und deutscher Polizei sind groß, aber auch bei uns gibt es sicherlich berechtigte Einwände gegen Missstände, die wir nicht mit deutscher Selbstzufriedenheit leichtfertig abtun sollten. Nicht zuletzt der bewegende Beitrag von Shelly Simons jüngst im Hauptstadtbrief hat mir gezeigt, was wir wohlwollenden Weißen bisher alles nicht gesehen und nicht erlebt haben.

In diesem Hauptstadtbrief beschreibt Thomas Berbner, der das Fernsehstudio des NDR leitet, welche Fehler und Vorurteile er sieht in der Berichterstattung über die Polizei, insbesondere nach der erschreckenden Krawallnacht in Stuttgart.

In ihrer Kolumne Direktnachricht betrachtet Anne Wizorek die Debattenlage von einer anderen Seite und stellt die Frage, wie mit unliebsamen Beiträgen umgegangen wird. Man muss kein Freund von Texten wie dem von Hengameh Yaghoobifarah in der taz sein, um über die Einlassungen des Innenministers Horst Seehofers beunruhigt zu sein.

Es bereitet mir auf jeden Fall ein vorsichtig ermutigendes Gefühl, Ihnen zwei so unterschiedliche, aber gehaltvolle und klug argumentierende Beiträge in diesem Hauptstadtbrief präsentieren zu können. „Lasst uns die Meinung der anderen feiern“, habe ich jüngst gehört, sei eine feine Sache – für den Journalismus und die Demokratie. Dem möchte ich von Herzen zustimmen.

Im zweiten Beitrag dieses Hauptstadtbriefs beschäftigt sich Rolf-Dieter Krause mit der am Mittwoch beginnenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Der langjährige Brüsseler Korrespondent der ARD wirft einen sehr kritischen Blick auf die deutsche Bundesregierung, die häufiger angetrieben werden musste, sich beherzt für Europa einzusetzen. Es werden auf jeden Fall sehr wichtige und spannende Monate für die Europäische Union werden. Und ich freue mich, Ihnen in diesem Zusammenhang schon einmal die kommende Ausgabe der German Times, der einzigen englischsprachigen Zeitung aus Deutschland, anzukündigen. Mitte Juli erscheint eine Sonderausgabe unserer Zeitung, die sich in allen Facetten mit der deutschen Ratspräsidentschaft auseinandersetzen wird – eine Zeitung aus Deutschland für ganz Europa.

Mit herzlichen Grüßen verbleibe ich bis morgen

Ihr Detlef Prinz

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