Woche 47

Der Hauptstadtbrief

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© PICTURE ALLIANCE/DPA/BUNDESREGIERUNG | STEFFEN HEBESTREIT
Aus heutiger Sicht ist kaum mehr nachzuvollziehen, wie optimistisch westliche Eliten noch vor einer Generation die Zukunft ihres Politik- und Gesellschaftsmodells einschätzten.

Aus Fukuyamas Sicht waren dies „Auswüchse“, die nichts mit dem „guten“ Liberalismus zu tun hatten, den er im Sinn hatte. In Wirklichkeit aber waren diese Entwicklungen eine direkte Konsequenz des übertriebenen Glaubens an die Überlegenheit des eigenen Systems, die er mit seiner These vom „Ende der Geschichte“ selbst befeuert hatte.

Peter R. Neumann
Woche 46

Der Hauptstadtbrief

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© PICTURE ALLIANCE/NORBERT SCHMIDT
Stehen diese vier Erfolge symbolhaft für die plakativen Begriffe der „Berner Republik“, der „Bonner Republik“, der „Berliner Republik“ und der „Bunten Republik“?

Mit der stark durch Kommunikation geprägten Erinnerung ist es so eine Sache: Niemand kennt mehr die Fernsehübertragung des Endspiels von 1954 durch Bernhard Ernst, fast jeder aber die leidenschaftlich-fesselnde Rundfunkreportage Herbert Zimmermanns. Für die folgenden Worte musste er sich später entschuldigen: „Turek, du bist ein Teufelskerl, Turek, du bist ein Fußballgott.“

Eckhard Jesse
Woche 45

Der Hauptstadtbrief

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© PICTURE ALLIANCE/ASSOCIATED PRESS | LUDOVIC MARIN
Wo steht eigentlich Deutschland, innenpolitisch und außenpolitisch? Ist es nicht gerade einmal knapp zweieinhalb Jahre her, dass Rechtsextreme, sogenannte Reichsbürger und Verschwörungstheoretiker versucht haben, den Berliner Reichstag zu stürmen, einige wenige sogar ins Gebäude eindrangen?

Die EU hat bislang zusammengestanden bei der militärischen und finanziellen Unterstützung der Ukraine und beim Kampf gegen Energieknappheit und hohe Energiepreise. Aber dieser Zusammenhalt bröckelt, auch weil Deutschland sich immer wieder Sonderwege erlaubt – auf Kosten anderer europäischer Staaten.

Ulrich Deppendorf , Herausgeber
Ulrich Deppendorf, Herausgeber
Woche 44

Der Hauptstadtbrief

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© PICTURE ALLIANCE/IKON IMAGES/MITCH BLUNT
Adressat ist dabei das bürgerlich-saturierte Publikum, das in gutgefüllten Vortragssälen Thilo Sarrazin bei seinen im Kern identischen Deutungen demografischer Daten lauscht: Deutschland schafft sich ab. Nach der Pandemie ist die Bereitschaft, sich den konfusen Mix aus Medienschelte, Politiker-Bashing und freihändiger Bevölkerungslehre anzuhören, kaum geschwunden.

Das ist eine Ausformulierung sogenannter „ethnopluralistischer“ Auffassungen der „Neuen Rechten“, die sich vom phrasenlosen Rassismus der „alten“, also faschistischen und nationalsozialistischen Rechten absetzen will, in Wahrheit aber deren Programmatik weißer Überlegenheit fortführt.

Claus Leggewie
Woche 43

Der Hauptstadtbrief

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© PICTURE ALLIANCE/ASSOCIATED PRESS
Die Tatsache, dass Putins im September verkündete „Teilmobilisierung“ ungleich mehr russische Männer zur Flucht aus dem Land denn zum Eintritt in die russische Armee bewegt hat, unterstreicht dies: Diejenigen, die die Möglichkeit haben, zu entkommen, wollen nicht für Putins verbrecherische Kleptokratie sterben.

Seit 1945 hat es praktisch keinen erfolgreichen Eroberungskrieg mehr gegeben; zwischen 1816 und dem Zweiten Weltkrieg verschwand dagegen rund die Hälfte der Staaten von der Weltkarte.

Henning Hoff